Samstag, 21. April 2012

1. Bericht - Die Idee


Montenegro by bike


Die Idee

Gleich vorweg die Antwort zur Frage: Wie kommt ihr denn ausgerechnet auf die Idee nach Montenegro mit dem Rad zu fahren? Ganz einfach: Mal was anderes, was ganz Besonderes zu unternehmen, anstatt wie bisher einmal im Jahr eine knappe Woche in den Alpen die Pässe rauf und runter fahren, lag irgendwo seit geraumer Zeit in der Luft. Aber was? Wir haben das Besondere im August 2010 in Montenegro gefunden.

Wir, Schwager Toni und ich und unsere Frauen, die Schwestern Maria und Hilde, waren im August 2010 von einer Cousine unserer Frauen zur Hochzeit eingeladen. Sie wollte ihrem Mann in der Heimat ihrer Eltern das Ja-Wort geben. Also ging es ab nach Stepov, hoch oben in den Schwarzen Bergen Montenegros östlich von der Hauptstadt Podgorica, 4 km Luftlinie von Albanien entfernt. Dort lernten wir auch den Cousin Toma kennen, der in Podgorica mit seiner Familie lebt. Mit ihm hatten wir viel Spaß und ihm in seliger Runde versprochen, dass Toni und ich einmal mit dem Rad zu ihm kommen. Seine Reaktion: unglaubwürdiges Tippen mit dem Zeigefinger an die Schläfe.
Unsere Reaktion: jetzt erst recht, versprochen ist versprochen. Nur wann können wir dieses Versprechen einlösen? Da reicht mein Urlaub nicht aus.
Bei Toni, mit dem ich schon alle wesentlichen Alpenpässe per Rad bewältigt habe, war das kein Problem. Er hat das Berufsleben schon hinter sich gelassen. Bei mir sah es anders, wo ich dieses doch frühestens 2015 beenden kann. Wie sagte mein Vater? Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Genau! Die Möglichkeit in unserer Firma eine Auszeit zu nehmen habe ich durch Zufall erfahren. Ein verständnisvoller Chef, der diese auch genehmigte und verständnisvolle Ehefrauen, die ebenfalls ja zu unserem Vorhaben sagten, führten schneller zur Realisierung unseres Traums als gedacht. Am 28. April 2011 begann die Planung.


Mittwoch, 28. Dezember 2011

Noch 123 Tage

In rund vier Monaten soll es losgehen – mit dem Rad von Jöhlingen nach Montenegro. Natürlich mit Zelt. Die Planung ist weitestgehend abgeschlossen, die Ausrüstung fast komplett. Drei Wochen Hinfahrt plus ein paar Tage Reserve, damit müssten wir hinkommen. Das Hotel in Petrovac an der wunderschönen Adriaküste von Montenegro ist für einen gemeinsamen Urlaub mit unseren Frauen schon gebucht. Auch der Flug für die beiden. Am 26. Mai werden wir sie von Podgorica mit einem Mietwagen abholen. Nach den zwei Wochen werden die beiden zurückfliegen und Toni und ich uns wieder auf unsere Räder schwingen und zurück radeln.

Unsere Route haben wir lange diskutiert. 100 km pro Tag haben wir uns anfänglich locker zugetraut. Bei einer Gesamtlänge für die Hinfahrt von ca. 1.800 km sahen wir das zunächst auch als machbar.
Aber wir hatten die vielen Berge und Hügel nicht berücksichtigt, die zu bewältigen sind. Dank bikemap.net lässt sich das Höhenprofil einer zusammengestellten Route sehr genau darstellen, und das hat uns gewaltig überrascht. Runde 20.000 Höhenmeter sind bis Podgorica zu erklimmen. Auf unseren bisherigen Touren in den Alpen haben wir immer pro Tag um die 100 km und auch 2.000 bis 3.000 hm geschafft, allerdings mit max. 8 kg Gepäck.
Wie viel Gepäck werden wir auf dieser Tour mitschleppen müssen, 20 kg oder mehr? Wie kommen wir damit einen Arlbergpass mit bis zu 10% Steigung hoch? Mitte August hatte ich die Gelegenheit dies zu testen. An einem sonnigen Tag habe ich die Packtaschen mit 20 kg Ballast gefüllt und im Kraichgau eine Runde gedreht. Das ging erstaunlich locker. Ich war zuversichtlich. Drei Tage später habe ich meine komplette Ausrüstung eingepackt und auch großzügig noch ein paar Extras. Die Waage zeigte 30 kg. Damit ging es ab gen Bodensee. Schon auf der ersten Etappe von Jöhlingen über Gernsbach der Murg entlang nach Freudenstadt und weiter nach Dornstetten kam das Erwachen. Die nächsten Tage waren nicht besser. Es war nicht unbedingt das was ich mir für die Tour vorgestellt habe. OK, es waren die heißesten Tage des Jahres, immer zwischen 32 und 34°. Nach sechs Tagen und 500 km wieder zuhause angelangt, habe ich meine Ausrüstung akribisch bis ins Kleinste auf Entbehrliches durchgeforstet. Ein Buch zum Lesen – gestrichen; zusätzlicher Anorak – gestrichen; Leinenbezug für Isomatte – gestrichen; die Reifen – gegen leichtere ausgetauscht. Stück für Stück habe ich inspiziert und abgewogen, ob es unbedingt auf unserer Reise notwendig sein wird. Das Ergebnis: ich habe Hoffnung, dass ich mit 25 kg auskommen werde.
Diese nüchterne Erfahrung habe ich natürlich mit Toni diskutiert, und wir beschlossen den Start unserer Tour um 6 Tage auf den 29 April vorzuverlegen. An der ausgetüftelten Streckenführung wollten wir nicht mehr viel ändern, denn nicht nur Montenegro war das Ziel, sondern auch schon der Weg dahin.

Die Route
Der Start in Jöhlingen ist am 29. April 2012 um 8.00 Uhr geplant. Über Pforzheim geht es durch das Nagoldtal nach Horb und über Tuttlingen nach Konstanz; dann weiter auf der Schweizer Seite des Bodensees nach Bregenz, über den anspruchsvollen Arlbergpass nach Innsbruck, über den weniger steilen Brennerpass nach Brixen, im Pustertal bis Innichen, über den Kreuzbergpass und Udine nach Triest; von dort auf möglichst direktem Weg nach Rijeka und dann immer auf der Küstenstraße bis nach Herceg Novi in Montenegro. Die Fahrt ganz um die Bucht von Kotor wird wegen der sagenhaften Landschaft sicherlich ein Höhepunkt werden. Wenn wir in Kotor noch nicht ganz platt sind, wollen wir über den Lovcen Nationalpark zum Njegus-Mausoleum, von dem man einen herrlichen Blick über die Crna Gora, die Schwarzen Berge, über Montenegro hat. Die Abfahrt führt nach Cetinje, der ehemaligen Hauptstadt, und weiter nach Podgorica zu Toma, dem Cousin.  
Die Routenführung für die Rückfahrt ist noch offen. Vorgesehen sind einige Inseln zu durchqueren, die gut mit Fähren zu erreichen sind. Je nachdem wie wir vorwärts kommen, besteht die Möglichkeit auch mal eine längere Passage mit der Fähre zu überbrücken. Von der Insel Cres wollen wir nach Istrien und dann von Porec nach Venedig übersetzen, so fern wir eine Passage erhalten.

Die Ausrüstung
Mein Reiserad oder Treckingrad habe ich schon 5 Jahre. Bin allerdings noch keine 1.000 km damit gefahren. Mein altes, knapp 20 Jahre altes Treckingrad zeigte damals Alterserscheinungen und ich beschaffte Ersatz. Dann gelang mir doch noch eine Wiederbelebung, so dass ich das neue Rad schonen konnte. Die erste größere Tour war erst im August 2011 an den Bodensee.
Das Rad habe ich mir selbst zusammengestellt. Es besteht aus einem Quantec Alurahmen und starrer Alugabel. Als Komponenten habe ich von Shimano die XT-Gruppe gewhlt mit V-Brakes. Lowrider und Gepäckträger stammen von Tubus. Speziell für die Tour habe ich den Seitenläufer-Dynamo und die Frontlampe abgebaut und am Gepäckträger ein mit Batterie betriebenes Rücklicht von B&M montiert, das sich bei Dunkelheit und gleichzeitiger Bewegung selbst einschaltet (wichtig für die Tunnels). Da ich mir eh eine sehr leuchtstarke Mini-Taschenlampe, die Fenix LD 20 angeschafft habe, ist am Lenker eine Halterung für diese montiert.
Als Bereifung habe ich mich für den Marathon Supreme von Schwalbe entschieden, mit einer Breite von 37 mm, obwohl ich am Treckingrad seit 15 Jahren den normalen Marathon mit 32 mm Breite gefahren bin. Der Supreme ist deutlich leichter bei angeblich gleicher Pannensicherheit und gleichem Verschleiß. Mit den 5 mm mehr an Breite erhoffe ich mir weniger Verschleiß und weniger Stress für die Doppeldickend-Speichen.
Erstmalig habe ich am Lenker einen kleinen Rückspiegel angebaut, um den nachfolgenden Verkehr und auch Toni, sollte er hinter mir fahren, besser beobachten zu können. Das habe ich mir von ihm abgeschaut.


Nun noch etwas speziell für Ritzelrechner:
Bei der Übersetzung hatte ich mit der Abstufung der angebotenen Kassetten so meine Probleme. Schnelles Fahren mit 25 – 30 kg Gepäck bedeutet auf unserer Tour 25, höchstens mal 30 km/h (mit Rückenwind). Wird es bergab schneller, werden die Beine hochgenommen. In den Bergen mit langen Steigungen bei teilweise über 10% wird dagegen die Geschwindigkeit sicherlich öfters um die 4-5 km/h liegen. Da benötige ich unbedingt einen sehr kleinen Gang. Eine Kassette mit Ritzel von 15 – 32 wäre bei meinen Kettenblättern 48/36/26 ideal. Leider gibt es diese aber nur mit 11/12/14/16/18/21/24/28/32. Was aber sollte ich mit den Stufen 11/12/14 auf unserer Tour anfangen? (Bei einer Übersetzung von 48:11 bedeutet dies bei einer Trittfrequenz von 90 1/sec ca. 48 km/h, bei 48:15 immerhin noch 37 km/h).Da sind die ersten drei Ritzel der Serienkassette nur Ballast, und im mittleren Bereich sind die 3er Sprünge sehr groß. Die Lösung war aus zwei mach eins. Sprich aus zwei Kassetten habe ich dann eine Kassette mit 11/15/17/19/21/23/26/28/32 zusammengestellt und habe somit 8 brauchbare Ritzel mit akzeptablen Sprüngen, wenn ich das erste Ritzel, das 11er ignoriere. Das ist gleichzeitig der Verschluss für die Kassette und der muss sein, gibt es aber nur als 11er.
Auf der Tour zum Bodensee hat sich das so gestaltete Getriebe gut bewährt.

Meine Ersatz- und Verschleißteilliste für das Fahrrad     
-       1 Faltreifen                                                                
-       2 Schläuche                                                                           
-       Flickzeug                                                        
-       1 Bremszug                                                    
-       1 Schaltungszug                                             
-       3 Paar Bremsklötze                                         
-       Tesaband                                                       
-       6 Ersatzspeichen
-       Schrauben, Muttern und U-Scheiben
-       Klebepads für Reifen
-       2 Kettenschlösser
-        Ventilkappen

Werkzeuge
-       Satz Innensechskantschlüssel mit angeschliffenen Enden für Schlitzschrauben
-       Kreuzschlitzschraubendreher
-       Gabelschlüssel 8/10
-       Speichennippelschlüssel
-       Taschenmesser
-       Satz Reifenheber
-       kleine Kombizange
-       Kettennieter

Da wir schon bei den ersten Planungsanstzen vereinbarten mit dem Zelt zu reisen, musste natürlich die passende Ausrüstung beschafft werden.  Schnell war klar, aus alten Beständen (ausgenommen Front- und Backroller sowie Lenkertasche, alles von Ortlieb) konnte so gut wie nichts übernommen werden. Also Angebote von Outdoorausrüstern studieren. Und das hat Spaß gemacht. Da hatte sich in den letzten 25 Jahren doch gewaltig viel geändert. Die vielen Test- oder Erfahrungsberichte waren eine große Hilfe für die individuelle, optimale Lösung.

Als Erstes galt es ein Zelt auszuwählen – mein Schafzimmer für immerhin 6-7 Wochen. Das Gewicht stand natürlich, wie bei der gesamten Ausrüstung, im Vordergrund. Toni hatte da schon Erfahrung, er besaß bereits ein 2 kg schweres Zelt von Hilleberg. Das entsprach aber nicht meinen Preisvorstellungen. Ich konnte mir aber einige Ratschläge von ihm holen.
Die Kriterien:
1. Innenzelt mit ausreichend Platz für mich und das ganze Gepäck. Dieses in der Apsis zu deponieren entspricht nicht meinen Vorstellungen.
2. Der Einstieg in das Innenzelt sollte auch bei Regen einigermaßen trocken möglich sein und für die nicht mehr ganz so biegsamen Knochen auch bequem, sprich ausreichend hoch.

Der Schlafsack sollte bei einem Temperaturbereich von 1 bis 6° noch ausreichend wärmen und das mit einer Kunstfaserfüllung, da wir um diese Jahreszeit noch mit einer hohen Feuchtigkeit rechnen müssen.  Ein zusätzlicher Seidenschlafsack bringt Reserven bei noch kühleren Temperaturen und ist solo sicherlich ideal im warmen Süden.

Kritisch war eine bequeme Unterlage zu finden. Konnte ich als 19 jähriger schon mal eine Nacht direkt am Strand ohne Luftmatratze schlafen, weil diese mal wieder undicht geworden ist, so möchte ich heute auch im Zelt morgens gut geruht und ohne Rückenschmerzen aufwachen. Mit Luftmatratzen habe ich über viele Jahre schlechte Erfahrungen gemacht. Eine 2 cm dicke Isoschaummatte ist zwar robust, aber mir zu unbequem. Von früher habe ich noch eine selbstaufblasende Isomatte mit 5 cm Dicke. Also darauf mal wieder probegeschlafen. Und siehe da, mit dem richtigen Luftdruck ging das ganz gut. Nur die 2 kg, die sie wiegt, sind 1 kg zu viel. Doch auch da wurde ich fündig bei einem Gewicht von knapp über 1 kg. In Verbindung mit einem leichten, komprimierbaren Reisekissen habe ich die Nchte auf der Tour zum Bodensee gut geschlafen.

Viel Freude hatte ich auch beim Zusammenstellen der „Kleinteile“, wie Kocher (mit Gas-Schraubkartuschen) und Geschirr. In jungen Jahren bestimmte in erster Linie das begrenzte Budget die Auswahl. Heute habe ich es genossen zuerst auf die Qualitt achten zu können und dann auf den Preis. Qualität zahlt sich aus. Bei meinen Fahrrädern habe ich diese Erfahrung schon vor langer Zeit gemacht, und das gilt auch für meine Tourausrüstung.

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